{"id":5356,"date":"2023-05-16T08:20:02","date_gmt":"2023-05-16T08:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bvmberatung.net\/?p=5356"},"modified":"2023-11-16T14:30:20","modified_gmt":"2023-11-16T14:30:20","slug":"interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bvmberatung.net\/fr\/interview\/","title":{"rendered":"\u00abDie Qualit\u00e4t des Prozesses und die Partizipation der Beteiligten bleibt ein strategisches Erfolgskriterium.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>40 Jahre arbeiten in und leben f\u00fcr die NPO-Welt \u2013 Charles Giroud hat 1983 als erster Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der B\u2019VM und abtretender Verwaltungsratspr\u00e4sident massgeblich dazu beigetragen, die Beratungsfirma zu dem zu machen, was sie heute ist: die erste Adresse f\u00fcr NPO im deutschen Sprachraum, wenn es um Expertise in Management, Service und Bildung geht. Charles Giroud erz\u00e4hlt uns im Interview, wie er den Wandel in den letzten 40 Jahren erlebt hat, was sich nicht ver\u00e4ndert hat, was ihn \u00fcberrascht und welche Herausforderungen NPO in den n\u00e4chsten 40 Jahren erwarten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Charles, welchen Wandel hast du allgemein in der NPO-Welt w\u00e4hrend den vergangenen 40 Jahren beobachtet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als besonders auff\u00e4lligen Wandel sehe ich im R\u00fcckblick, dass die Professionalisierung in der NPO-Welt sehr stark zugenommen hat. Die Anwendung von Management-Instrumenten ist heute selbstverst\u00e4ndlich beziehungsweise Voraussetzung, um bei Mitgliedern, Klienten, Spendern, Sponsoren oder im Lobbying erfolgreich zu sein. Dabei hat sicherlich das Freiburger-Management-Modell und dessen Verbreitung durch die Lehrg\u00e4nge des Verbandsmanagement Instituts (VMI) einen wichtigen Beitrag geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Management-Fragestellungen waren \u00fcber die Jahre sehr konstant. Analyse, Zielsetzung und Planung, Marketing, F\u00fchrung und Organisation, Finanz- und Rechnungswesen standen und stehen nach wie vor im Vordergrund. Jedoch hat sich der zeitliche Betrachtungshorizont verk\u00fcrzt: W\u00e4hrend man fr\u00fcher noch Mitgliederleitbilder und Verbandspolitiken f\u00fcr einen Zeithorizont von 10 Jahren erarbeitet hat, sind es heute, aufgrund der viel schnelleren Ver\u00e4nderungen im Umfeld, Zielsetzungs- und Planungsdokumente mit einer Perspektive von 3 bis maximal 5 Jahren. Im Marketing hat die Kommunikation eine verst\u00e4rkte Bedeutung erhalten und in Organisationsfragen stehen heute Selbstorganisation und agile Organisationsformen im Fokus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Ver\u00e4nderungen hast du in Bezug auf den Bedarf und die Anspr\u00fcche der Kunden und der Organisationen wahrgenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Anspr\u00fcche der Kundenorganisationen haben sich insbesondere bez\u00fcglich Tempo ver\u00e4ndert. Die Projekte m\u00fcssen \u2013 oder sollten \u2013 wesentlich schneller abgewickelt werden als in der Vergangenheit. Allerdings gilt auch heute noch, dass der Prozess f\u00fcr den nachhaltigen Projekterfolg sehr wichtig ist. Die M\u00f6glichkeiten, diese Prozesse in basisdemokratischen Organisationen, wie es Verb\u00e4nde nun einmal sind, zu beschleunigen, sind nur begrenzt vorhanden. Sicher helfen hier neue Methoden der Grossgruppenmoderation und die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung. Aber die Qualit\u00e4t des Prozesses und die Partizipation der Beteiligten bleibt ein strategisches Erfolgskriterium von Ver\u00e4nderungsprozessen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-left is-style-default has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"font-style:normal;font-weight:700\">\n<p>\u00abNPO selbst m\u00fcssen in ihrer Entscheidungsfindung schneller werden, wenn sie nach wie vor Einfluss haben und Wirkung erzielen wollen.\u00bb &#8211; Charles Giroud<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat sich nicht ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht ver\u00e4ndert haben sich nach meiner Wahrnehmung insbesondere zwei Dinge:<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits die Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt. Diese war von allem Anfang an ein sehr zentrales Thema. Bereits zum 10-Jahre-Jubil\u00e4um der B\u2019VM haben wir dazu eine Tagung durchgef\u00fchrt und eine Publikation ver\u00f6ffentlicht. Die Inhalte sind auch 30 Jahre danach aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits die Aufgabenteilung zwischen der Zentrale und den dezentralen Organisationseinheiten. Oder mit anderen Worten: Wie viel Zentralisierung bzw. wie viel dezentrale Autonomie braucht es bzw. wie viel wird von den Beteiligten akzeptiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr beide Themen gibt es auch 2023 praktischen Anschauungsunterricht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welches waren f\u00fcr Organisationen die kritischen \u00dcberlebensfaktoren in den letzten 40 Jahren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Organisationen feiern Jubil\u00e4en: 50, 100, 150 Jahre. Ihren Gr\u00fcndungszweck haben sie l\u00e4ngst erreicht. Die Frage nach neuen Zielen ist f\u00fcr solche Organisationen zentral. Dies auch deshalb, weil sich die Interessen ihrer Mitglieder ver\u00e4ndern, weil sich in Verb\u00e4nden in der Regel mehrere bis viele unterschiedlich gelagerte Interessengruppen bilden und aus dieser Entwicklung f\u00fcr die betroffenen Organisationen eigentliche Zerreissproben entstehen, die immer auch wieder zu Abspaltungen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zweite Entwicklung \u2013 die f\u00fcr Verb\u00e4nde auch existenziell werden kann \u2013 ist die grunds\u00e4tzliche Frage nach Kosten (Mitgliederbeitr\u00e4gen) und Nutzen (Leistung, Wirkung). Diese Frage wird immer h\u00e4ufiger zum zentralen Entscheidungskriterium f\u00fcr einen Beitritt, Verbleib oder Austritt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-left has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"font-style:normal;font-weight:700\">\n<p>\u00abAgilere Organisationsformen werden an Bedeutung zunehmen m\u00fcssen, wenn die NPO attraktive Arbeitgeber sein wollen.\u00bb &#8211; Charles Giroud<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Mit welchen Fragen m\u00fcssen sich Organisationen in den n\u00e4chsten 10 resp. 40 Jahren auseinandersetzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich das w\u00fcsste! 40 Jahre sind eine lange Zeit. Gerade heute, wo wir mit Volatilit\u00e4t, Unsicherheit, Komplexit\u00e4t und Mehrdeutigkeit (VUCA) konfrontiert sind. Ich glaube, dass die Themen im NPO-Sektor \u00e4hnlich bleiben, dass aber die L\u00f6sungen von diesem ver\u00e4nderten Umfeld gepr\u00e4gt sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr mich klar ist: NPO selbst m\u00fcssen in ihrer Entscheidungsfindung schneller werden, wenn sie nach wie vor Einfluss haben und Wirkung erzielen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der operativen Ebene kommen in den n\u00e4chsten Jahren kommen immer mehr Mitarbeitende der Generationen Y und Z auf den Arbeitsmarkt. Ihre Vorstellungen an den Arbeitgeber und an die Arbeitswelt werden den Arbeitsalltag pr\u00e4gen. Agilere Organisationsformen werden an Bedeutung zunehmen m\u00fcssen, wenn die NPO attraktive Arbeitgeber sein wollen. Dar\u00fcber hinaus stellen wir fest, dass der NPO-Sektor immer mehr zu einer interessanten, weil sinnstiftenden Branche f\u00fcr Arbeitnehmer:innen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Entwicklung hat dich am meisten \u00fcberrascht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Mitautor des Freiburger-Management-Modells f\u00fcr NPO (1. Auflage 1994) \u00fcberrascht mich, wie praxistauglich das Modell auch heute noch ist. Die verschiedenen Auflagen (die 10. ist in Vorbereitung und wird Mitte 2023 erscheinen) haben immer wieder kleinere und gr\u00f6ssere \u00dcberarbeitungen erfahren. Das Grundger\u00fcst aber hat Stand gehalten und hat sich bew\u00e4hrt. Das zeigen die Feedbacks aus unserer Beratung und aus den VMI-Lehrg\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo hast du dich geirrt in der Einsch\u00e4tzung der Entwicklung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geirrt habe ich mich bei der Harmonisierungskraft, die das Qualit\u00e4ts-Management in mehrstufigen Verb\u00e4nden ausl\u00f6sen k\u00f6nnte. Davon hat sich nur sehr wenig realisiert, wenngleich das Qualit\u00e4ts-Management heute seinen Stellenwert hat und auch in Zukunft haben wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kannst du auch bei dir eine (Lern-)Kurve feststellen? Was hast du \u00fcber die Jahre gelernt \u2013 fachlich und pers\u00f6nlich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lernkurve m\u00fcssen andere beurteilen. Ich hoffe aber, dass die 40 Jahre Spuren hinterlassen haben. Dazu beigetragen haben sicher die vielen Erfahrungen als Berater, aber auch jene als Verbandspr\u00e4sident, als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Verb\u00e4nden und als ehrenamtliches Vorstandsmitglied.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich als Absolvent und VMI-Assistent der ersten Generation enorm vom VMI-R\u00fcstzeug profitiert. Und die Gr\u00fcnderv\u00e4ter des VMI und der B\u2019VM, Prof. Dr. Dr. hc Ernst-Bernd Bl\u00fcmle, Prof. Dr. Peter Schwarz und Prof. Dr. Robert Purtschert haben mir sehr viel geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war f\u00fcr dich die gr\u00f6sste Knacknuss?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 1. Diplomlehrgang des VMI 1986\/1987, bei dem ich als Mitglied des damals noch kleinen Dozentenstabes mitwirken durfte. Alles war neu: Der Lehrgang, das Lehrmittel (Freiburger Management Modell), die Inhalte, die Rolle als \u2013 damals j\u00fcngster &#8211; Dozent. Auch die Erwartungen der Lehrgangsteilnehmenden konnten wir nur erahnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-left has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\" style=\"font-style:normal;font-weight:700\">\n<p>\u00abWir stellen fest, dass der NPO-Sektor immer mehr zu einer interessanten, weil sinnstiftenden Branche f\u00fcr Arbeitnehmer:innen wird.\u00bb &#8211; Charles Giroud<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo holst du deine Inspiration her?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aus meiner Erfahrung eigentlich zwei wesentliche Quellen: Die eine ist das Gespr\u00e4ch mit den Vertreter:innen der Kundenorganisationen und mit den Teilnehmenden an den Lehrg\u00e4ngen des VMI.<\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Quelle sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Betriebswirtschaft, die Hinweise auf Entwicklungen geben. Diese gilt es auf ihre Bedeutung f\u00fcr die NPO zu pr\u00fcfen und im Falle einer positiven Beurteilung auf deren Bed\u00fcrfnisse anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Str\u00e4nge verbinden das VMI und B\u2019VM in ihrer langj\u00e4hrigen Action-Research-Partnerschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf was bist du besonders stolz in Bezug auf das 40-Jahre-Jubil\u00e4um?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin dankbar! Dankbar von den Gr\u00fcnderv\u00e4tern des VMI und der B\u2019VM Prof. Dr. Dr. hc Ernst-Bernd Bl\u00fcmle, Prof. Dr. Peter Schwarz und Prof. Dr. Robert Putschert die Chance erhalten zu haben, an der Gr\u00fcndung, am Aufbau und der st\u00e4ndigen Weiterentwicklung der B\u2019VM massgeblich beteiligt gewesen zu sein. Heute ist die B\u2019VM ein f\u00fchrendes Beratungsunternehmen im Bereich der Verb\u00e4nde, Stiftungen und NPO im gesamten deutschsprachigen Raum. B\u2019VM ist eine Marke und erfreut sich seit dem Spin-Off 1983 der einmaligen Beziehung zum VMI, mit dem sie auch nach 40 Jahren in einer strategischen Allianz eng verbunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuletzt freue ich mich sehr, dass die n\u00e4chste Unternehmensgeneration da ist, welche B\u2019VM mit Sicherheit erfolgreich weiterf\u00fchren wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Jahre arbeiten in und leben f\u00fcr die NPO-Welt \u2013 Charles Giroud hat 1983 als erster Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der B\u2019VM und heutiger Verwaltungsratspr\u00e4sident massgeblich dazu beigetragen, die Beratungsfirma zu dem zu machen, was sie heute ist: die erste Adresse f\u00fcr NPOs im deutschen Sprachraum, wenn es um Expertise in Management, Service und Bildung geht. 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