{"id":5312,"date":"2023-03-23T15:26:25","date_gmt":"2023-03-23T15:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bvmberatung.net\/?p=5312"},"modified":"2023-11-16T14:48:24","modified_gmt":"2023-11-16T14:48:24","slug":"unternehmerische-fuehrung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bvmberatung.net\/fr\/unternehmerische-fuehrung-2\/","title":{"rendered":"Unternehmerische F\u00fchrung in NPO \u2013 ein Widerspruch?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie gestaltet sich das Arbeiten in einer Nonprofit-Organisation mit einer unternehmerischen F\u00fchrung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nonprofit-Organisationen stehen mit ihrem Umfeld im Austausch. Zunehmender Wettbewerb, gesellschaftlich-demografische Entwicklungen, Fachkr\u00e4ftemangel, Legitimationsdruck, zunehmende Digitalisierung und der Wunsch nach neuen Arbeitsformen sind Beispiele von Entwicklungen, mit denen auch Nonprofit-Organisationen konfrontiert werden. Kann eine unternehmerische F\u00fchrung ein Modell sein, diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen? Wie werden die Begriffe Innovation, Proaktivit\u00e4t, Risikobereitschaft, Mitarbeitendenautonomie und Selbstbewusstsein im Wettbewerb in Nonprofit-Organisationen gelebt? Bestimmt ein zunehmender \u00abManagerialismus\u00bb den Arbeitsalltag oder bieten sich gerade durch die unternehmerische F\u00fchrung Chancen f\u00fcr eine Weiterentwicklung der Organisation? M\u00f6glicherweise sogar mit einem Effekt auf die Motivation, die Fluktuation und die Gesundheit der Mitarbeitenden? Im Rahmen einer Masterarbeit wurden gesch\u00e4ftsleitende Personen aus elf Organisationen aus dem Bereich des Gesundheitswesens in qualitativen Interviews zu diesen Themen befragt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie definieren Organisationen eine unternehmerische F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nonprofit-Organisationen stehen heute vor verschiedenen Herausforderungen. Studien in mehreren L\u00e4ndern zeigen, dass mit Elementen der unternehmerischen F\u00fchrung ein positiver Effekt auf den Organisationserfolg erzielt werden kann. Hat eine unternehmerische F\u00fchrung auch einen Einfluss auf die Motivation, die Fluktuation und die Gesundheit von Mitarbeitenden? In einer Masterarbeit wird diese Fragestellung aufgegriffen. Die teils \u00fcberraschenden Erkenntnisse werden nachfolgend in verk\u00fcrzter Form erl\u00e4utert.<br>Die aufgef\u00fchrten Ver\u00e4nderungen stellen neue Anforderungen an die F\u00fchrung von Organisationen, die Leadershipf\u00e4higkeiten von Vorgesetzten und die Arbeitsweise von Mitarbeitenden. Bestehende und bew\u00e4hrte Strukturen, Abl\u00e4ufe oder die vorhandene Organisationskultur werden in Frage gestellt. Die Befragung zeigte, dass finanzielle Themen zur unternehmerischen F\u00fchrung geh\u00f6ren, jedoch nicht als monet\u00e4re Ausrichtung im Sinn einer Gewinnmaximierung, sondern als hohes Bewusstsein f\u00fcr die Notwendigkeit einer soliden, finanziellen Basis zur Sicherung der T\u00e4tigkeit und zum verantwortungsvollen und \u00fcberlegten Einsatz der vorhandenen Gelder. Zu einer unternehmerischen F\u00fchrung geh\u00f6ren f\u00fcr die Befragten eine Ausrichtung auf die Bed\u00fcrfnisse und Erwartungen der Zielgruppen, das Verfolgen und Erkennen von Entwicklungen und Trends im Umfeld sowie das Arbeiten mit einer Strategie und entsprechenden Unternehmenszielen. Mitarbeitende geniessen in allen Organisationen einen hohen Stellenwert als Schl\u00fcsselfaktor zum Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Positive Aspekte einer unternehmerischen F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zehn der befragten Personen sehen in einer unternehmerischen F\u00fchrung ein erstrebenswertes Ziel. Als positiver Aspekt der unternehmerischen F\u00fchrung wurde die erkennbare Positionierung genannt, die gegen aussen und innen Sicherheit, Klarheit und Vertrauen vermittelt und zur Folge hat, dass Mitarbeitende die Ausrichtung der Organisation kennen. Sie wissen, wof\u00fcr diese einsteht, gerade auch in Zeiten des Wandels. Weiter genannte Punkte waren die Ausrichtung auf Klientenbed\u00fcrfnisse und eine h\u00f6here Innovationsf\u00e4higkeit, um schnell und flexibel nutzenbringende und wirksame Dienstleistungen entwickeln und anbieten zu k\u00f6nnen. In den befragten Organisationen gibt es eine hohe Zufriedenheit der Mitarbeitenden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herausforderungen einer unternehmerischen F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als gr\u00f6sste Gefahr einer unternehmerischen F\u00fchrung sehen \u00fcber die H\u00e4lfte der Befragten eine m\u00f6gliche \u00dcberforderung von Mitarbeitenden, insbesondere durch den hohen Grad an Autonomie und Selbstverantwortung, ein zu forsches Tempo und zu wenig transparenter Kommunikation, mit welcher Bedenken, Vorbehalte oder \u00c4ngste aufgenommen und gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Ebenfalls erw\u00e4hnt wurde, dass bei aller unternehmerischen F\u00fchrung die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse und Pers\u00f6nlichkeiten von Menschen nicht ausser Acht gelassen werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fchrung und Partizipation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den befragten Organisationen zeigt sich eine einheitliche Ausrichtung auf einen situativen und\/oder partizipativen F\u00fchrungsansatz. Es wird grossen Wert auf den Einbezug der Mitarbeitenden und einen Gestaltungsfreiraum innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen gelegt. Die Definition des Rahmens und die klare Kommunikation dazu werden als wesentliche Aufgabe der F\u00fchrungskr\u00e4fte genannt, damit Mitarbeitende sich innerhalb dieser Leitplanken mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung einbringen, selbst\u00e4ndig arbeiten und entscheiden sowie Verantwortung \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Die Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und einem hohen Partizipationsgrad mit Informations- und Mitspracherechten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die bisherige Forschung zu unternehmerischer F\u00fchrung legte den Fokus mehr auf Zusammenh\u00e4nge zum Organisationserfolg oder zur Zielerreichung. Unternehmerische F\u00fchrung hat aber auch einen positiven Einfluss auf die Motivation von Mitarbeitenden. Sie kann Organisationen darin unterst\u00fctzen, gen\u00fcgend Mitarbeitende zu finden und gerade auch j\u00fcngere Mitarbeitende und Nachwuchskr\u00e4fte l\u00e4nger in der Organisation zu halten. Eine unternehmerische F\u00fchrung, die sich der Risiken bewusst ist und diesen auch mit entsprechenden Massnahmen begegnet, kann einen positiven Einfluss vor allem auf Ausf\u00e4lle infolge psychischer Belastungen haben. Die befragten Interviewpersonen zeigen ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegen\u00fcber Mitarbeitenden, den Klienten und Klientinnen, dem Umfeld und dem Sachziel der Organisation. Professionelles Management wird als sorgf\u00e4ltiges Umgehen mit den Ressourcen beschrieben. Der Fokus liegt auf der nachhaltigen Sicherung der Organisationst\u00e4tigkeit und dem L\u00f6sen von Abh\u00e4ngigkeiten, die Einfluss auf die Art der Ausrichtung der Organisation haben k\u00f6nnen. Die Interviewpersonen sind sich bewusst, dass sie sich in einem Umfeld bewegen, mit dem sie in Interaktion stehen und von dem sie abh\u00e4ngig sind. Der Fokus auf das Sachziel erfordert eine gesicherte Finanzierung, ebenso die Verantwortung gegen\u00fcber Mitarbeitenden und Geldgeber:innen. Das Aufnehmen von Bed\u00fcrfnissen der Klientenschaft bedingt Innovationen, diese m\u00fcssen wieder finanziert werden k\u00f6nnen. Viele der befragten Interviewpersonen betonen, dass sich die F\u00fchrung einer Nonprofit-Organisation klar von der F\u00fchrung eines Profitunternehmens unterscheidet. Sie erfolgt auf partizipativer Ebene und richtet sich an der Basis aus. Dies hat einen Einfluss auf die Art und die Geschwindigkeit , mit der vorw\u00e4rtsgegangen werden kann. Mitarbeitende stehen im Zentrum und sind nicht beliebig austauschbar. Nicht zuletzt ebnet eine unternehmerische F\u00fchrung auch den Weg hin zu agilen Arbeitsformen oder sogar einer Form der Selbstorganisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausf\u00fchrlich und in voller L\u00e4nge: Forschungsbeitrag von Antonella Rossi Harbus <a href=\"https:\/\/www.bvmberatung.net\/wp-content\/uploads\/2023-09-VM-2-23_Unternehmerische-Fuehrung-aro.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Unternehmerische F\u00fchrung in NPO und ihr Einfluss auf soziale Faktoren&#8220;<\/a>, erschienen im VM 2\/23<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bvmberatung.net\/fr\/angebot\/agilitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Interessiert am Thema Agilit\u00e4t?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.vmi.ch\/de\/npo-wissen-gezielt-vertiefen\/unternehmerisches-management\/\" target=\"_blank\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vmi.ch\/de\/npo-wissen-gezielt-vertiefen\/unternehmerisches-management\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Mehr zu unternehmerischer F\u00fchrung und Kultur in NPO im Intensiv-Lehrgang VMI<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nonprofit-Organisationen stehen heute vor verschiedenen Herausforderungen. 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