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Ein Jahr Corona-Krise – Wo stehen Verbände und Vereine?

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Viele Verbände und Vereine operieren seit einem Jahr im Krisenmodus: Aber sind sie auch selbst in der Krise? Eine pauschale Aussage zu dieser Frage ist heikel, Verbände handeln in sehr spezifischen Kontexten. Es kommt also auf den einzelnen Fall an.

Unsere Erfahrung aus der Verbandsberatung nach 12 Monaten Corona-Pandemie ist: leistungsfähige Verbände und Vereine konnten in der Krise ihren Wert für die jeweiligen Mitglieder unter Beweis stellen. Verbände profilieren sich als Krisen-Manager in der Pandemie: als wahrnehmbare und wirkungsvolle Interessenvertretung, durch Vermittlung und Einordnung von aktuellen Informationen, oder mit spezifischen Dienstleistungen in der Corona-Pandemie. Diese reichen von FAQ’s über Hygienekonzepten bis hin zur Beschaffung von in der Pandemie knappen Materialien.

Gleichzeitig sind Verbände und Vereine Betroffene der Corona-Pandemie. Wie bei vielen anderen Organisationen auch mussten die Arbeitsabläufe den Pandemie-Gegebenheiten angepasst, Arbeitsmittel für mobiles Arbeiten oder digitale Kommunikation beschafft werden. Je nach Tätigkeitsfeld hat sich das Arbeitsvolumen drastisch verändert. In der Veranstaltungsorganisation gab es starke Einbrüche, in der Interessenvertretung oder der Bewältigung von Informationen sind Arbeitsanfall und -geschwindigkeit teils deutlich gestiegen.

Die meisten Verbände haben sich nach unserer Wahrnehmung auf diese «neue Normalität» eingestellt. Bestätigt hat dies eine aktuelle, nicht repräsentative Umfrage unter ca. 20 Führungskräften von Verbänden. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden dort überwiegend als positiv oder neutral wahrgenommen. Negative Aspekte wurden nur bei wenigen Antworten genannt.

Fragestellung: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihren Verband aus? Mehrfachantworten waren möglich.

Dies ist allerdings eine Momentaufnahme. Viele für Verbänden typische Faktoren reagieren nur langsam auf Veränderungen im Umfeld. Entsprechend werden viele Verbände die finanziellen Folgen der Pandemie erst mit Verzögerung wahrnehmen. Verbände und Vereine ziehen Ihre Beiträge oft zum Jahresanfang ein. Das war im Jahr 2020 noch vor Beginn der Pandemie. Mitgliedschaften können vielfach nur zum Jahresende gekündigt werden, teilweise mit langen Fristen. Die stattlichen Hilfsprogramme führen dazu, dass aktuell in der Breite die wirtschaftlichen Aktivitäten intakt bleiben, auch wenn einzelne Bereiche sehr schwer betroffen sind.

Tatsache ist jedenfalls, dass sich die Prioritäten von Mitgliedern in vielen Fällen verändert haben. Dies sagen uns nicht nur Führungskräfte. Wir messen diese Veränderungen auch in unseren Mitglieder-Befragungen. Der unmittelbare Nutzen der Leistungen hat in der Pandemie eine deutlich höhere Bedeutung erhalten. Verbände sollten dies bei der Gestaltung ihrer Arbeitsprogramme und in ihrer Kommunikation unbedingt berücksichtigen.

Die mittelfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Verbände und Vereine sind heute hingegen kaum absehbar. Die allgemeine Erwartung ist, dass die Pandemie im Laufe des Jahres 2021 beherrschbar wird. Ob und in welchem Umfang nachhaltige Veränderungen eintreten, ist offen. Wir erwarten große Unterschiede zwischen den verschiedenen Verbänden. Dies spiegelt sich auch in den Antworten der von uns befragten Personen. Eine Tendenz ist nicht erkennbar, die Bandbreite der Antworten war dagegen sehr groß.

Fragestellung: trägt unser heutiges „Geschäftsmodell“ als Verband in die Zukunft?

Was können, und was sollten Verbände und Vereine in der gegenwärtigen Situation tun? Wir haben folgende Vorschläge.

  1. Planen Sie heute schon für die Zeit nach der Pandemie einen strukturierten Prozess, in dem Sie mit den wesentlichen Stakeholdern die für Sie richtigen Schlussfolgerungen ziehen.
  2. Überprüfen Sie ihre heute verfügbaren Steuerungsinstrumente. Erhalten Sie die notwendigen Informationen, um strategische Entscheidungen auch auf der Grundlage solider Daten treffen zu können?

Zu 1.: Richten Sie ihr Augenmerk auf die relevanten Veränderungen in ihrem Umfeld, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben. Werten Sie Ihre Erfahrungen in der operativen Verbandsarbeit systematisch aus. Beantworten Sie die folgenden Fragen: Gibt es neue Chancen oder Gefahren, auf die wir reagieren müssen? Welche Stärken haben wir in der Corona-Pandemie entwickelt? Welche Schwächen sind zu Tage getreten? Wie gehen wir in der Zukunft damit um?

Wir unterstützen Sie gerne mit unseren Erfahrungen aus Verbandsberatung und operativer Verantwortung in systematischen Evaluierungs- und Strategie-Prozessen.

Zu 2.: Erfassen Sie systematisch die Wirtschaftlichkeit ihrer Aktivitäten, um für strategische Diskussionen gewappnet zu sein. Im Kernbereich der Verbandsarbeit bedeutet dies: sie müssen die Kosten der Verbandsleistungen kennen. In vielen Verbänden ist insbesondere die Leistungserfassung der Mitarbeitenden eine Schwachstelle. Bei wirtschaftlichen Aktivitäten stehen dagegen Wirtschaftlichkeitsanalysen im Vordergrund, z.B. in Form von Deckungsbeitrags-Rechnungen.

Wir kennen die für Verbände passenden Steuerungsinstrumente und Tools über die notwendige Erfahrung in ihrer praktischen Anwendung.

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